Antrag 93/I/2019 Verbindliche Festsetzung der Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit (mpA) in Kindertageseinrichtungen des Landes Berlin im Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) – für ein fachkräftefreundliches Berlin!

Status:
Nicht abgestimmt

Wir fordern die sozialdemokratischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Senats dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass die mittelbare pädagogische Arbeit in Höhe von 23% der wöchentlichen Arbeitszeit gesetzlich festgeschrieben wird, wie es vom Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung empfohlen wird, um den fachlichen Anforderungen des Berliner Bildungsprogramms gerecht zu werden. Bei einer Vollzeitstelle von 39 Wochenstunden entspricht dies einer Zeit von etwa neun Stunden für die mpA.

Begründung:

Um die hohen Qualitätsstandards des Landes Berlin in der frühen Bildung zu sichern und zu gewährleisten, müssen die gesetzlichen Regelungen im KitaFöG mehr Verbindlichkeiten für öffentliche und private Trägerinnen der Kinder- und Jugendhilfe schaffen.

 

Im Land Berlin verfügt nur 1% der pädagogischen Fachkräfte über mehr als 5 Stunden pro Woche für die mpA laut einer Umfrage der GEW aus dem Jahre 2012. Eine überwältigende Mehrheit von 75% der befragten Fachkräfte hat lediglich bis zu zwei Stunden wöchentlich für die mpA zur Verfügung (davon haben fast 15% gar keine Zeit für die mpA). Eine qualitative pädagogische Arbeit ist so nicht möglich. Die Folge dessen ist, dass die Arbeit außerhalb der Arbeitszeit geleistet wird. 60% der Fachkräfte geben an, dass sie häufig bis regelmäßig Arbeit mit nach Hause nehmen.

 

Das Land Berlin hat mit seinem Bildungsprogramm hohe Qualitätsstandards für die frühe Bildung geschaffen. Um den Anforderungen gerecht zu werden, pädagogische Qualität langfristig auszubauen und zu gewährleisten, benötigen pädagogische Fachkräfte eine angemessene Zeit für die Vor- und Nachbereitung ihrer Arbeit, die sogenannte mittelbare pädagogische Arbeit (mpA); Zeit, die sie nicht unmittelbar am Kind leisten; Zeit, die allen pädagogischen Fachkräften verbindlich zur Verfügung steht.

 

Die mpA umfasst Tätigkeiten in vier Bereichen, die sich aus dem Berliner Bildungsprogramm ableiten lassen:

  1. Individuelle Förderung resp. Vorbereitung pädagogischer Aktivitäten: Darunter fallen die Beobachtung und Dokumentation, das Sprachlerntagebuch und die Vor- und Nachbereitung von Projekten und pädagogischen Angeboten.
  2. Kooperation mit Eltern: Darunter fallen Eltern- und Entwicklungsgespräche sowie Beratungen und Elternversammlungen.
  3. Qualitätsentwicklung und -sicherung: Darunter fallen Aufgaben der Fort- und Weiterbildung sowie der Fachberatung und internen sowie externen Evaluation.
  4. Organisation und Vernetzung: Darunter fallen Dienstbesprechungen, Teamsitzungen, Kooperationen mit Grundschulen und sozialen Diensten sowie Vernetzungen im Sozialraum (Beki, 2008).

 

Um die Attraktivität des Berufs zu steigern, die Erfüllung der hohen Anforderungen zu gewährleisten und die Arbeitsbelastung zu senken, brauchen pädagogische Fachkräfte verbindliche Regelungen und Zusagen seitens der Politik, die von den Trägerinnen der Kinder- und Jugendhilfe umgesetzt werden. Eine gesetzliche Regelung der mittelbaren pädagogischen Arbeitszeit kann zudem zu einem Anstieg der Vollzeitbeschäftigten beitragen, etwa, wenn Arbeitsmodelle um Homeoffice-Zeiten erweitert werden. Dies kann dem Personalmangel entgegenwirken.

 

Quellen: Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung (20.08.2008). Arbeitszeitbedarf für die mittelbare pädagogische Arbeit einer Erzieherin in der Kita. Endgültige Fassung. Online abrufbar unter URL: http://www.beki-qualitaet.de/images/beki/downloads/
ag3.13endfassung080820.pdf [22.01.2019]

Empfehlung der Antragskommission:
Überweisen an: FA IV - Kinder Jugend Familie (Konsens)