Antrag 49/II/2014 Medienkompetenz stärken – digitale Ungleichheit abbauen

Wir fordern, dass der Berliner Senat die bestehenden Maßnahmen und Projekte zur Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ausbaut zu dem Zweck, die Medienkompetenzförderung insbesondere für internetbasierende Medien zu verstetigen.

Im Einzelnen soll der Senat darauf hinwirken, dass

  • bei der Erzieher*innenausbildung die Themen Medienkompetenz und Medienbildung gestärkt werden.
  • bei der Lehrer*innenbildung das Themen Medienkompetenz (insbesondere in Bezug auf Internet und sog. neue Medien) fester Bestandteil des Studiums wird, das jede*r Studierende in irgendeiner Form verpflichtend behandelt haben muss.
  • Lehrer*innen regelmäßige Fort- bzw. Weiterbildungen mit medienpädagogischem Schwerpunkt besuchen. Dies kann im Rahmen einer Fortbildungspflicht geschehen. Veranstaltungen und Messen zu diesen Themen sind, sofern sinnvoll, als Weiterbildungsmöglichkeiten anzuerkennen. Der Besuch von Fort- und Weiterbildungen muss mit der jeweiligen Arbeitszeit der Lehrer*innen vereinbar sein. Ein Besuch an Wochenenden ist mit einem entsprechenden Arbeitszeitausgleich zu regeln. Ferner dürfen den Lehrer*innen keine privaten Kosten durch die Ausübung der Fortbildungspflicht entstehen. Diese trägt der Arbeitgeber.
  • unter Berücksichtigung des heutigen Wissenstandes auf diesem Forschungsgebiet wird gefordert, einen zeitlichen Rahmen in die Planung dieser Art der frühkindlichen Förderung in Kitas miteinzubeziehen. Ebenfalls sollen die gewonnen praktischen Erfahrungen wissenschaftlich begleitet werden. Wir fordern für die Zukunft eine studienbasierte Anpassung dieser Medienkompetenzstärkung.
  • in Schulen Medienkompetenz fächerübergreifend gestärkt wird. Dies betrifft zum einen die Ausstattung von Schulen mit Computern und internetbasierenden Geräten. Zum anderen sollte jede*r Schüler*in die Themen Datensicherheit, Programmierung, Cybermobbing, Gamification und anderen für Schüler*innen alltäglichen Phänomene in der Schule behandelt haben. Hierbei ist zu prüfen ob Programmierunterricht wie bspw. in Estland als Modellversuch auch in Berliner Schulen erprobt werden kann.
  • die Nutzung von Open Educational Resources bei allen staatlichen beauftragten Lehrmaterialien forciert wird bis hin zu einer 100-prozentigen Nutzung,, so dass Erzieher*innen und Lehrer*innen für ihre Berufsausübung einfacher auf hochwertige und copyrightfreie Materialien zurückgreifen können.
  • trotz notwendiger Förderung von Medienkompetenz, OER und digitale Schule verstärkt darauf geachtet wird, dass die digitale Öffnung der Schule nicht von privatwirtschaftlichen Interesse ausgenutzt werden kann, um die Berliner Bildungslandschaft als neuen Markt zu erschließen.

Die Nutzung der Medien und die Förderung der Medienkompetenz soll durch kita- und schuleigene Medien erfolgen, sodass Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien nicht zusätzlich sozial und materiell ausgegrenzt werden.

Begründung:

Die Kultusministerkonferenz hat in ihrem Beschluss vom März 2012 Medienkompetenz als weitere wichtige Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen anerkannt. Demzufolge muss Medienbildung und Medienkompetenzförderung ein ähnlicher starker Stellenwert in der Bildung eingeräumt werden. Zwar ist die Arbeit mit Medien in der Schule nichts neues, aber die Digitalisierung des täglichen Lebens hat einen so großen Einfluss auf Kinder und Jugendliche, dass insbesondere dem Internet und internetbasierenden Medien hier ein größerer Stellenwert eingeräumt werden sollte. Oftmals fühlen sich aber Erzieher*innen und Lehrer*innen hier nicht kompetent genug und hinken ihren Schüler*innen hinterher.

Das Internet bietet Chancen und Risiken. Es stellt u.a. einen riesigen Wissensfundus dar, der sich für die schulische und sonstige Ausbildung für alle nutzen lässt. Es zeigt sich aber, dass vor allem sozial bevorteilte Kinder und Jugendliche das Internet und sog. neue Medien kompetenter nutzen können als Kinder aus sozial benachteiligten Familien. So setzt sich die soziale Spaltung digital fort. Dies ist für uns als Sozialdemokrat*innen nicht akzeptabel. Das Internet soll allen Menschen als Quelle von Wissen, Ideen, Inspiration und Vergnügen dienen. Gemäß dem sozialdemokratischen Ansatz die soziale Spaltung über gute Bildung von Beginn an zu überwinden glauben wir, dass Kita und Schule Medienkompetenz stärker fördern sollten, um allen Kindern und Jugendlichen die Chancen des Internets zu vermitteln und vor bestehenden Risiken zu warnen.

Beschluss: Annahme in der Fassung des Parteitages
Text des Beschlusses:

Wir fordern, dass der Berliner Senat die bestehenden Maßnahmen und Projekte zur Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ausbaut zu dem Zweck, die Medienkompetenzförderung insbesondere für internetbasierende Medien zu verstetigen.

Im Einzelnen soll der Senat darauf hinwirken, dass

  • bei der Erzieher*innenausbildung die Themen Medienkompetenz und Medienbildung gestärkt werden.
  • bei der Lehrer*innenbildung das Themen Medienkompetenz (insbesondere in Bezug auf Internet und sog. neue Medien) fester Bestandteil des Studiums wird, das jede*r Studierende in irgendeiner Form verpflichtend behandelt haben muss.
  • Lehrer*innen regelmäßige Fort- bzw. Weiterbildungen mit medienpädagogischem Schwerpunkt besuchen. Dies kann im Rahmen einer Fortbildungspflicht geschehen. Veranstaltungen und Messen zu diesen Themen sind, sofern sinnvoll, als Weiterbildungsmöglichkeiten anzuerkennen.
  • unter Berücksichtigung des heutigen Wissenstandes auf diesem Forschungsgebiet wird gefordert, einen zeitlichen Rahmen in die Planung dieser Art der frühkindlichen Förderung in Kitas miteinzubeziehen. Ebenfalls sollen die gewonnen praktischen Erfahrungen wissenschaftlich begleitet werden. Wir fordern für die Zukunft eine studienbasierte Anpassung dieser Medienkompetenzstärkung.
  • in Schulen Medienkompetenz fächerübergreifend gestärkt wird. Dies betrifft zum einen die Ausstattung von Schulen mit Computern und internetbasierenden Geräten. Zum anderen sollte jede*r Schüler*in die Themen Datensicherheit, Programmierung, Cybermobbing, Gamification und anderen für Schüler*innen alltäglichen Phänomene in der Schule behandelt haben. Hierbei ist zu prüfen ob Programmierunterricht wie bspw. in Estland als Modellversuch auch in Berliner Schulen erprobt werden kann.
  • die Nutzung von Open Educational Resources bei allen staatlichen beauftragten Lehrmaterialien forciert wird bis hin zu einer 100-prozentigen Nutzung,, so dass Erzieher*innen und Lehrer*innen für ihre Berufsausübung einfacher auf hochwertige und copyrightfreie Materialien zurückgreifen können.
  • trotz notwendiger Förderung von Medienkompetenz, OER und digitale Schule verstärkt darauf geachtet wird, dass die digitale Öffnung der Schule nicht von privatwirtschaftlichen Interesse ausgenutzt werden kann, um die Berliner Bildungslandschaft als neuen Markt zu erschließen.

Die Nutzung der Medien und die Förderung der Medienkompetenz soll durch kita- und schuleigene Medien erfolgen, sodass Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien nicht zusätzlich sozial und materiell ausgegrenzt werden.

Beschluss-PDF: