Antrag 48/II/2018 Lebens.Zeit – 1 Jahr Auszeit für alle

Wir fordern, dass die SPD im Bund den Rahmen schafft, allen Menschen im erwerbsfähigen Alter ein Recht darauf zu gewähren, im Rhythmus von rund 10 Jahren ein Jahr staatlich unterstützter Auszeit zu ihrer freien Verfügung zu nehmen.

Begründung:
Digitalisierung und Arbeitsmarkt: Risiken erkennen, Chancen ergreifen Unsere Gesellschaft kommuniziert, produziert und bewegt sich schneller. Doch anstatt dadurch mehr Zeit zur freien Verfügung zu gewinnen, erleben wir, wie sich diese Beschleunigung auch auf Lebens- und Arbeitsverhältnisse ausbreitet. Mit der zunehmend schnelleren Entwertung von Kompetenzen und der Flexibilisierung des Arbeitsmarkts im digitalen Zeitalter werden Arbeits- und Lebensbiografien brüchiger. Die Anforderungen, sich in einer immer digitalisierteren Arbeitswelt zu bewähren, steigen rasant. Und damit auch der Druck, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und Status zu bewahren. Viele Menschen leiden unter Zeitnot, die sie daran hindert, diese Anforderungen zu erfüllen. Viel zu häufig führen wir solche Debatten über den Einfluss von Digitalisierung und Automatisierung zu negativ. So werden Ängste und Unsicherheiten vor Arbeitsplatzverlusten und der potentiellen Einschränkung von Arbeitnehmerrechten geschürt.   Die Spannbreite wissenschaftlicher Untersuchungen über die Folgen des technologischen Wandels auf dem Arbeitsmarkt lässt eine derartig einseitige Bewertung jedoch nicht zu. Der Wandel birgt auch die Chance, neue Freiräume für sich wandelnde Arbeits- und Lebensmodelle zu schaffen. Wir wollen dem steigenden Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit und Selbstbestimmung mit einer modernen Politik entgegenkommen. Eine Politik, die die Chancen der Digitalisierung erkennt und progressiv gestaltet; sprich eine Politik die sich nicht blind den Marktkräften beugt, sondern proaktiv den Arbeitsmarkt gestaltet. Eine Politik, die Menschen zugleich die vertraute Sicherheit als auch den Rückgewinn von Zeit und somit neue Entfaltungsmöglichkeiten bietet.   Lebens.Zeit - Unser Ansatz für eine innovative Zeitpolitik Sicherheit und Selbstbestimmung müssen die Leitprinzipien einer modernen Arbeitsmarktpolitik sein. Diese muss Menschen vor dem Zwang, Menschen, die gute Arbeit leisten, haben den gleichen Respekt verdient, wie Menschen, die sich fortbilden, Zeit für Familie und Pflege aufbringen, sich gesellschaftlich engagieren oder persönliche Lebensziele realisieren. Emanzipatorische Zeitpolitik gepaart mit moderner und flexibler Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik: Mit unserem Vorschlag “Lebens.Zeit” wollen wir dafür einen sicheren Rahmen schaffen.   Alle Menschen im erwerbsfähigen Alter sollen das Recht erhalten, rund alle zehn Jahre ein Jahr zur freien Verfügung zu nehmen und erhalten dafür staatliche Förderung sowie den Anspruch an ihren Arbeitsplatz zurückkehren zu können.   Gleichzeitig sollen staatliche, zivilgesellschaftliche und private Angebote geschaffen, oder bereits bestehende Angebote gebündelt werden, um Menschen ein attraktives Angebot zur Gestaltung dieser Zeit zu machen.   Das verspricht Lebens.Zeit: 1. Mehr Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt Lebens.Zeit bricht mit der überholten Dreiteilung des klassischen Lebensmodells in Ausbildung, Arbeit und Rente. Das Konzept schafft neue Freiräume, damit Menschen auf ein sich rasant wandelndes Arbeitsumfeld reagieren können. Ein breites Angebot an bis zu einjährigen Fort-, Aus-, und Weiterbildungen soll Menschen die Möglichkeit geben, neue Qualifikationen und Fähigkeiten zu erwerben, um mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten. Gleichzeitig bietet Lebens.Zeit Freiraum zur Erholung von einem immer schnelllebigeren Arbeitsleben. Das reduziert gesundheitliche Risiken und hat positive Auswirkungen auf die Arbeitsmotivation. Lebens.Zeit erhöht die gesellschaftliche Innovationskraft und die Anschlussfähigkeit an den Arbeitsmarkt.   2. Mehr Freiraum für die Familie Freiraum für die Familie, Kindererziehung, sowie die Pflege von Familienangehörigen stellen Herausforderungen dar, die nicht im Widerspruch zur Erwerbsarbeit stehen dürfen. Die demografisch bedingte Zunahme an Pflegeaufgaben, die oftmals im Konflikt zur Arbeit stehen, stellen viele Menschen vor immense Probleme. Die Möglichkeit, ein Jahr der Pflege oder der Überbrückung kritischer Lebensabschnitte zu widmen (zusätzlich zu bestehenden Modellen wie Eltern- und Pflegezeit), könnte eine elementare Entlastung darstellen. Eine Entlastung, die gleichzeitig für die Kinderbetreuung wünschenswert ist. Lebens.Zeit verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.   3. Mehr Selbstbestimmung Lebens.Zeit trägt zu einer dringend benötigten Entschleunigung unserer Gesellschaft bei.   Denn: Die Beschleunigung vieler Lebensbereiche führt nicht etwa zu einem Zeitgewinn, sondern vielmehr zu einer Zeitknappheit. Mit unserem Konzept schaffen wir mehr Zeit und Raum für individuelle Selbstbestimmung und Entfaltung. Menschen können Tätigkeiten nachgehen, für die sonst keine Zeit bestünde. Wir wollen unsere Vorstellung von Zeit überdenken: Wir plädieren für einen Rückgewinn individueller Zeitautonomie, für die selbstbestimmte Verwendung von Zeit. Lebens.Zeit verbessert die Lebensqualität.
Empfehlung der Antragskommission:
Überweisen an: FA VII - Wirtschaft und Arbeit (Konsens)