Antrag 133/I/2018 Keine Geburtskliniken schließen!

Status:
Annahme

Die SPD setzt sich auf allen Ebenen dafür ein, dass nicht noch mehr kleinere Geburtskliniken aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Der Status quo muss im Interesse einer wohnortnahen und qualitativ hochwertigen Geburtshilfe dringend aufrechterhalten werden. Mindestmengen für Geburten, die aus ökonomischen Gründen für Geburtskliniken erhoben werden, lehnen wir ab.

Begründung:

Die AOK fordert in ihrem Krankenhausbericht 2017, Geburtskliniken zu schließen, in denen weniger als 500 Kinder pro Jahr geboren werden. Eine Mindestmengenregelung von 500 Geburten im Jahr würde die Schließung etwa jeder dritten der noch existierenden 700 Geburtshilfen bedeuten. Dies würde vor allem Kliniken in ländlicheren Regionen treffen.

 

Einer Studie des gemeinnützigen Picker-Instituts zufolge ist die Versorgung der Gebärenden und Wöchnerinnen in kleineren Kliniken mit bis zu 500 Geburten im Jahr aus Sicht der Betroffenen besser als in großen Häusern mit über 2000 Geburten pro Jahr.

 

Die Mehrheit der Gebärenden und auch die große Mehrheit der Neugeborenen braucht eine gute Grundbetreuung für die Fragen, die sich bei einer Geburt ohne Komplikationen ergeben, und nicht die in großen Krankenhäusern vorhandene Expertise über eine Geburt mit Komplikationen. Eine Geburt ist in erster Linie ein natürlicher Prozess und keine Krankheit. In großen Häusern ist aber genau diese Grundbetreuung oft nicht gegeben, da die Hebammen und das medizinische Personal sich auf zu viele Geburten gleichzeitig konzentrieren müssen und die „normalen“ Fälle weniger Beachtung verlangen als diejenigen mit Komplikationen. Doch auch eine „normale“ Geburt hat bestmögliche Betreuung verdient! Und diese bestmögliche Betreuung mit Hebammen, die Zeit für die werdende Mutter und das Kind haben, ist in kleineren Kliniken eher gegeben.

 

Weiterhin führen große Kliniken mit medizinischen Ressourcen aus Gründen der Verfügbarkeit unter anderem auch dazu, dass schneller medizinische Eingriffe wie ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, wo dieser vielleicht noch gar nicht nötig gewesen wäre.

 

Hinzu kommt, dass in ländlicheren Regionen und bei weiterer Entfernung vom Krankenhaus oft eine zeitigere Anreise ins Krankenhaus erfolgt, die zum einen wiederum schneller zu einem medizinischen Eingriff bei der Geburt führen kann, zum anderen zu einer schlechteren persönlichen Betreuung der Gebärenden durch die Familie, die eine größere Entfernung zurücklegen muss und dies unter Umständen nicht leisten kann. Des Weiteren kann die größere Entfernung zum Krankenhaus dazu führen, dass Frauen ein Krankenhaus nicht mehr rechtzeitig erreichen, bevor die Geburt beginnt.

Empfehlung der Antragskommission:
Annahme in der Version der Antragskommission (Konsens)
Version der Antragskommission:
Die SPD setzt sich auf allen Ebenen dafür ein, dass nicht noch mehr Geburtskliniken aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Der Status quo muss im Interesse einer wohnortnahen und qualitativ hochwertigen Geburtshilfe dringend aufrechterhalten werden.