Antrag 145/I/2018 Für eine geschlechtergerechte Sprache in der >Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin (GO Abghs) vom 27. Oktober 2016 (GVBl. S. 841)

Status:
Annahme

Die sozialdemokratischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden aufgefordert umgehend tätig zu werden, um die Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses geschlechtergerecht umzuformulieren.

Begründung:

Eine demokratische Politik ist darauf verpflichtet, Frauen, ihre Leistungen, ihre Interessen, ihre Bedürfnisse und ihre Perspektive auf die Welt sichtbar zu machen. Die Tragweite und politischen Relevanz einer >Frauen ausschließenden Sprache< ist ausreichend in Studien belegt. Es geht bei einer >geschlechtergerechten Sprache< schließlich darum, neben den sprachlich unübersehbaren Männern auch Frauen im täglichen Sprechen und Schreiben unübersehbar zu machen. „Das Ziel Frauenbelange sichtbar zu machen, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ziel, ihnen mehr Geltung zu verschaffen, sie in die Politik hineinzubringen.“ (BITZAN, 1997:84)

 

Erstes Beispiel: Artikel 3 Fehlen, Urlaub

Abs. 1

Ein Mitglied des Abgeordnetenhauses, das an der Teilnahme an einer Sitzung des Abgeordnetenhauses oder eines Ausschusses verhindert ist, zeigt dies dem Präsidenten, oder dem Ausschussvorsitzenden spätestens bis zum Sitzungsbeginn an.

Dieser Text ist sexistisch: Er schließt Frauen nicht nur sprachlich, sondern auch gedanklich aus und legt nahe, dass nur Männer >Präsident< des Abgeordnetenhauses oder >Ausschussvorsitzender< werden können. Das ist eines demokratisch gewählten Parlaments und unserer Partei unwürdig.

Damit Frauen nicht weiter unsichtbar bleiben, muss der Text geschlechtergerecht oder geschlechtsneutral heißen:

Ein Mitglied des Abgeordnetenhauses, das an der Teilnahme an einer Sitzung des Abgeordnetenhauses oder eines Ausschusses verhindert ist, zeigt dies dem Präsidenten bzw. der Präsidentin, oder dem bzw. der Ausschussvorsitzenden spätestens bis zum Sitzungsbeginn an.

Damit ist niemand sprachlich überfordert, erst dieser Text ist demokratisch.

 

Eine  geschlechtergerechte Sprache:

Zweites Beispiel: § 93 Sprachliche Gleichstellung

Um die Lesbarkeit zu erhöhen, wird in dieser Geschäftsordnung für Funktions- und Per-sonenbezeichnungen allein die männliche Form gebraucht. Sie bezieht sich jedoch auf Frauen und Männer gleichermaßen. In der Praxis ist jeweils diejenige Form anzuwenden, die der tatsächlichen Besetzung oder der jeweils handelnden Person entspricht.

Dieser GO-Artikel ist völlig aus der Zeit gefallen! Er wird nach einer Umformulierung der Geschäftsordnung zu einem nicht-sexistischen Text entfallen.

Empfehlung der Antragskommission:
Annahme (Konsens)