Antrag WV132/I/2018 Besondere Berücksichtigung der unter 25 Jährigen im Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten (PsychKG) des Landes Berlins

Jugendliche und junge Erwachsene (bis 25 Jahre) werden im PsychKG nicht explizit geschützt. Dabei ist diese Gruppe besonders schutzbedürftig, da sich ihr Krankheitsverlauf anders verhält als bei Erwachsenen. Auch liegen verschiedene Abhängigkeiten, insbesondere zur Familie vor.

 

Dies äußert sich zum Beispiel in ihrer Wohnsituation, da diese Menschen häufig noch zuhause wohnen oder in einer Wohngemeinschaft, also in einem Abhängigkeitsverhältnis. Bei Streit mit und Überforderung der Eltern oder Sozialarbeiter*innen kommt es schnell zum Rauswurf oder zur Flucht. Leben sie auf der Straße oder in einer nicht entsprechend ausgestatteten Unterkunft führt dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer gravierenden Verschlechterung und im schlimmsten Fall einer Zwangseinweisung. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen geraten in eine Spirale. Hier gilt es anzusetzen.

 

Wir fordern folgende Maßnahmen:

  • Anpassung der gesetzlichen Regelungen, um die Schutzbedürftigkeit von bis zu 25 Jahre alten Personen explizit festzuhalten
  • Einrichtungen ausbauen, deren Personal für die speziellen Bedürfnisse und Besonderheiten explizit geschult ist (Notunterkünfte und dauerhafte Wohngemeinschaften)
  • Präventionsmaßnahmen verstärken, wie Anlaufstellen und Hilfsangebote für die Jugendlichen aber auch die Eltern, die sowohl begleitend als auch in akuten Krisensituationen unterstützen

 

Begründung:

Junge Erwachsene und Jugendliche haben eine reale Chance auf Heilung oder Verbesserung ihrer Situation in für sie geeigneten Einrichtungen bei psychischen Erkrankungen, wenn ein Verbleib in der Familie nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Eine Aufnahme in Wohnheime für Obdachlose oder ähnliches kann im schlimmsten Fall, besonders in akuten Krisensituationen, zur Verschlechterung bzw. entstehen von einer neuen Problematik führen. Oft geraten sie erst dort mit abhängig machenden Substanzen oder Menschen die schon fortgeschrittener in ihrer Erkrankung sind in Kontakt. Dies führt zum einen dazu, dass die Gefahr einer Abhängigkeit steigt und die Ausweglosigkeit ihrer Situation entsteht wird.

 

Eine Lösung dieser Problematik wäre eine Verbindung der Regelungen aus dem BGB  zur Unterbringung von Kinder und Jugendlichen (§ 1631b) und dem PsychKG Berlin (§ 6).

 

Durch die Umsetzung der Maßnahmen wird frühzeitig verhindert, dass diese Menschen weiter in ihrer Erkrankung fortschreiten. Durch die Hilfsangebote und fachmännische Betreuung steigen die Chancen auf eine gute Bewältigung des Alltags und erlernen von Eigenständigkeit. Hilfsangebote im späteren Verlauf des Lebens werden deshalb womöglich nicht mehr benötigt.

 

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es für solche Fälle keine Regelung wo im akuten Fall Menschen mit dieser Problematik Hilfe bekommen können, dies führt häufig zu Obdachlosigkeit und vollständige Isolation. Genau diese Konsequenzen werden durch die oben stehenden Forderungen verhindert und die Lebensqualität dieser Menschen wird erhalten.

Empfehlung der Antragskommission:
Annahme in der Version der Antragskommission (Konsens)
Version der Antragskommission:
Jugendliche und junge Erwachsene werden im PsychKG wie auch in anderen Gesetzes (z.B. SGB IX) nicht explizit geschützt. Dabei ist diese Gruppe besonders schutzbedürftig, da sich ihr Krankheitsverlauf oftmals anders verhält als bei Erwachsenen.   Wir fordern folgende Maßnahmen:
  • Anpassung der gesetzlichen Regelungen, um die Schutzbedürftigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen explizit festzuhalten
  • Einrichtungen ausbauen, deren Personal für die speziellen Bedürfnisse und Besonderheiten explizit geschult ist (Wohngemeinschaften, Notunterkünfte und andere)
  • Präventionsmaßnahmen verstärken, wie Anlaufstellen und Hilfsangebote für die Jugendlichen aber auch die Eltern, die sowohl begleitend als auch in akuten Krisensituationen unterstützen