SPD Berlin

Anträge zum Landesparteitag

Antrag 30/II/2015 Gleichstellung von Fachlehrer*innen mit Handwerksmeisterabschluss

AntragstellerInnen:

KDV Neukölln

Der Landesparteitag möge beschließen:

Gleichstellung von Fachlehrer*innen mit Handwerksmeisterabschluss

Wir fordern die sozialdemokratischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses und des Senats dazu auf, darauf hinzuwirken, dass:

 

  • Nach Beendigung des berufsbegleitenden Referendariats und der bestandenen Lehramtsstaatsprüfung Quereinsteiger*innen mit einem Handwerksmeisterabschluss, ihren Kollegen mit einem Hochschulabschluss, in vollem Umfang gleichzustellen sind.
  • Dies beinhaltet unter anderem eine finanzielle Gleichstellung, die Gleichstellung bzgl. der Arbeitszeit, bei Mitbestimmung und für Führungspositionen.

 

Begründung:

Die Sozialdemokratische Partei Deutschland bekennt sich klar zu einem starken Handwerklichen Sektor. Hier ist eine solide Stütze des breiten Mittelstandes zu verorten. Dass möglichst viele Menschen einen Beruf zur Meisterreife bringen, muss durch unsere Politik klar unterstützt werden. Praktisches Wissen welches hier erlangt und weitergeben wird, ist natürlich auch auf Schulen von Bedeutung.

Der Schritt dieses Wissen weitervermitteln zu wollen, darf daher nicht durch unnötige Hürden versperrt sein. Dies ist momentan der Fall.

Wer nach Meisterabschluss und langjähriger Berufserfahrung sein Wissen weitergeben möchte, muss ein 18 monatiges berufsbegleitendes Referendariat und ein Lehramtsstaatsprüfung ablegen. Auch müssen während dieser Zeit  volle 19 Wochenstunden Unterricht gehalten werden.

Die Aussicht, nach Bewältigung dieses Weges den studierten Kollegen in Verdienst und Rechten nicht gleichgestellt zu sein wirkt abschreckend und unfair.

 

Als Sozialdemokratische Partei Deutschland wollen wir den Abschluss des Handwerksmeisters auch gegenüber dem Hochschulstudium stützen und mit Perspektive ausrüsten.

Empfehlung der Antragskommission: vertagt

LPT I/2017: vertagt
LPT I/2016: Überwiesen an AG Berufliche Bildung
Stellungnahme des AKBB zum Antrag „Gleichstellung von Fachlehrer*innen mit Handwerksmeisterabschluss“ / Lehrer*innen für Fachpraxis des KDV Neukölln
 
Der Antrag des KDV Neukölln ist in der Sache grundsätzlich zu unterstützen.  In der Tat besteht für die Lehrer*innen für Fachpraxis an den beruflichen Schulen nach Erreichen der letzten möglichen Besoldungsgruppe und  Erfahrungsstufe keine Möglichkeit mehr, sich beruflich weiter fortzuentwickeln oder sich auf Funktionsstellen der Berliner Schule zu bewerben. Dies führt oft zu Frustration und Resignation unter den betroffenen Kollegen und Kolleginnen, zumal die Schere in der Besoldung zu den Theorielehrern*innen (Studienratslaufbahn TV-E 13/ A 13) eklatant ist. Nichtsdestotrotz sind die Lehrer*innen für Fachpraxis mit verantwortlich für das ausgesprochen umfangreiche Know-how der beruflichen Schulen und Oberstufenzentren in Berlin und stellen daher eine unverzichtbare Ressource der beruflichen Bildung dar.
 
Aufgrund der Qualifikationen der Lehrer*innen für Fachpraxis, die in der Regel aus  Meisterabschlüssen oder  Abschlüssen zum/zur staatlich geprüften Techniker*in bestehen, steht einer sofortigen Gleichstellung das öffentliche Dienstrecht entgegen. Daher müssen Wege für eine durchlässige Weiterqualifizierung aufgezeigt werden, die der Landesparteitag empfehlen kann:
 
Der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR), der dem European Qualification Framework (EQF) zugeordnet ist, bietet diesen Zugang. Der Abschluss des Meisters bzw. des staatlich geprüften Technikers ist im DQR zusammen mit Bachelor auf der Niveaustufe 6 festgelegt, was grundsätzlich eine Gleichsetzung der erworbenen Kompetenzen dieser beruflichen Qualifikation mit der akademischen Qualifikation des Bachelors konstatiert. Ermöglicht man also den betroffenen Lehrer*innen für Fachpraxis über diesen Weg den Eintritt in ein Masterstudium (Ziel: Master of Education), dessen erfolgreiche Beendigung wiederum den Eintritt in den Vorbereitungsdienst ermöglicht, ist eine weitgehende Angleichung möglich.  Auch hier muss man sich im Klaren sein, dass mit Erfüllung aller dieser Prämissen am Ende eine Lehrkraft mit nur einem Fach steht. Der Zugang zu Funktionsstellen auch in Führungspositionen ist für solche Lehrkräfte nicht unmöglich aber deutlich erschwert: Sofern bei einer Bewerbung um eine Funktionsstelle ein/e sog. „Laufbahnbewerber*in“ vorhanden ist, so muss diesem/er der Vorzug gegeben
werden.
 
Eine Änderung des öffentlichen Dienstrechts, die eine sofortige Gleichstellung von Lehrer*innen für Fachpraxis ermöglichen würde, ist aus Sicht des AKBB gänzlich unrealistisch. Sehr wohl ist aber der aufgezeigte Weg eine Möglichkeit, die Aufstiegs- und Entwicklungschancen der Lehrer*innen für Fachpraxis deutlich auszuweiten. Hier müssten die in der Lehrerbildung tätigen Hochschulen zunächst aber die beruflichen Qualifikationen der betroffenen Lehrkräfte anerkennen und somit auch ein Bekenntnis zur Anerkennung der Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung gemäß DQR leisten. Um dieses Angebot für Lehrer*innen für Fachpraxis zu realisieren und um hohe Abbruchsquoten zu vermeiden, müssten die Hochschulen in der Konsequenz auch „Brückenangebote“ für diese Studierenden bieten, die auf ein erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten vorbereiten.

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